Patriarchal Messages for the Indiction

Σεπτόν Πατριαρχικόν Μήνυμα ἐπί τῇ ἡμέρᾳ προσευχῆς ὑπέρ τῆς Προστασίας τοῦ Φυσικοῦ Περιβάλλοντος (01/09/2015)

Protokoll-Nr. 851

Hirtenbrief zum Tag der Bewahrung der Schöpfung

+ Bartholomaios
durch Gottes Erbarmen Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom,
und Ökumenischer Patriarch dem ganzen Volk der Kirche
Gnade und Friede von dem Schöpfer, Bewahrer und Lenker 
der ganzen Schöpfung,
unserem Herrn, Gott und Erlöser Jesus Christus


„Durch den Heiligen Geist wird die ganze Schöpfung erneuert, da sie zurückkehrt zum Anfang.“ (Stufengesänge im 1. Ton)
„Gepriesen bist du, o Herr, Du allein erneuerst das Werk deiner Hände von Tag zu Tag.“ (Basilius d. Große) 


Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst und im Herrn gesegnete Kinder,

der 1. September eines jeden Jahres wurde bekanntlich ursprünglich vom Ökumenischen Patriarchat – jüngst aber auch von der römisch-katholischen Kirche – dem Gebet um den Schutz der natürlichen Umwelt gewidmet. An diesem Tag bitten wir den Höchsten besonders darum, Seine Schöpfung mit Freude zu erfüllen, damit das Leben des Menschen in ihr angenehm und ertragreich sei. In dieses Gebet ist gewiss auch die Bitte eingeschlossen, der unvermeidliche Klimawandel der Natur möge innerhalb der Grenzen dessen bleiben, was dem Menschen sein Überleben und der Natur ihre Nachhaltigkeit gestattet.

Dennoch verhält sich die Menschheit – teilweise oder zur Gänze – auf eine Weise, die zu dieser Bitte im Widerspruch steht. Wir beuten die Natur in einem Maß aus, dass unvorhergesehene und unerwünschte Umweltveränderungen zwangsläufig werden – zum Nachteil für ihren normalen Lauf und für unser Leben. Doch insgesamt führen das Handeln einzelner Menschen ebenso wie weitergehende private und staatliche Anstrengungen zur Veränderung der natürlichen Umwelt mit dem Ziel, sie noch mehr auszubeuten, einzig und allein zur Zerstörung der Harmonie der „sehr guten“ Schöpfung Gottes. 

Wir alle, die wir verstehen, dass die Gefahr des Klimawandels auf unserem Planeten auf Grund menschlicher Aktivitäten täglich zunimmt, erheben unsere Stimme, um mit Nachdruck darauf hinzuweisen, und bitten alle, gemeinsam zu überlegen, was wir tun können, „um zu verhindern, dass um der Bereicherung willen das Leben zugrunde geht“ (Deklaration der Vereinten Nationen).

Darum bemühen wir als Ökumenischer Patriarch uns seit vielen Jahren, die Gläubigen unserer Kirche und alle Menschen guten Willens über die großen Gefahren zu informieren, die der zunehmende Verbrauch bzw. Missbrauch der Ressourcen mit sich bringt, der einen gravierenden Klimawandel zur Folge hat und die Nachhaltigkeit der natürlichen Umwelt gefährdet.

Wir orthodoxe Christen haben von den Kirchenvätern gelernt, unsere Bedürfnisse weitestmöglich einzuschränken. Dem Ethos des Konsums stellen wir das Ethos der Enthaltsamkeit entgegen. Ein Ethos der Selbstbeschränkung auf das unumgänglich Notwendige. Das bedeutet nicht Entbehrung, sondern vernünftigeren Verbrauch und moralische Verurteilung der Verschwendung. „Haben wir nur Nahrung und Kleidung, so wollen wir uns daran genügen lassen“ (1 Tim 6,8), mahnt uns Christi Apostel. Christus selbst hat nach der Vermehrung der fünf Brote und der Speisung der 5000 – ohne Frauen und Kinder – den Befehl gegeben, das Übriggebliebene zu sammeln, „damit nichts verlorengehe“ (Jo 6,12). Unglücklicherweise haben die modernen Gesellschaften die Befolgung dieses Gebotes aufgegeben und sich der Verschwendung und dem maßlosen Konsum zur Befriedigung eines nichtigen Gefühls von Sättigung hingegeben. Dieses Verhalten kann jedoch so verändert werden, dass durch eine geeignete Lebensweise Mittel und Ressourcen geschont werden.


Brüder und Kinder in dem uns allen gemeinsamen Schöpfer, unserem Herrn,

wir Menschen zerstören die Schöpfung durch unsere Unersättlichkeit, unsere exklusive Bindung an die Erde und die irdischen Güter, die wir, wie der „törichte Reiche“ des Evangeliums, unablässig vermehren wollen. Wir vergessen den Heiligen Geist, in dem wir leben, uns bewegen und sind. Das bedeutet, dass die Auseinandersetzung mit der ökologischen Krise in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen kann, aber stets im Heiligen Geist, durch dessen Gnade unsere menschlichen Unternehmungen gesegnet werden und die ganze Schöpfung erneuert wird und zu dem Anfang, an dem sie von Gott „sehr gut“ erschaffen war, zurückkehrt. Darum ist ja auch die Verantwortung des Mitschöpfers, des mit freier Selbstbestimmung ausgestatteten Menschen, bei der Bewältigung der ökologischen Krise so groß.

Die Erde ähnelt „einer riesigen Müllhalde“ (Papst Franziskus, Enzyklika 2015). Doch dieser Müll ist nicht nur materieller, sondern vor allem geistiger Natur. Dieser Müll geht seinem Wesen nach aus dem durch die Leidenschaft versklavten Denken des Menschen selbst hervor. Wir aber, die orthodoxen Christen mit unserem unerschütterlichen Glauben an den Schöpfer der ganzen Schöpfung, den All-Erhalter und Herrn, sind aufgerufen, auch beim Schutz der ganzen Schöpfung Evangelisten und Apostel zu sein, d.h. der gegenwärtigen, in Unordnung geratenen Welt mit neuer Kraft das Evangelium der Freude zu verkünden, die schlafende geistliche Natur des vielfältig und auf vielerlei Weise geprüften Menschen zu wecken und eine Botschaft der Hoffnung, des Friedens und der wahrhaften Freude, des Friedens und der Freude an Christus, zu verkünden.

Indem wir uns dazu bekennen und diese Wahrheit von den Stufen des Heiligen Apostolischen und Patriarchalen Ökumenischen Throns verkünden, ermahnen wir alle zu geistiger Wachheit, zur Abkehr von durch die Leidenschaft versklavtem Denken und eigennützigem Handeln, damit wir in Eintracht mit dem Nächsten und der von Gott „sehr gut“ erschaffenen Schöpfung leben können – und beten und bitten mit dem „die Natur aller Dinge erhellenden“ Basilius d. Gr.: „Gepriesen bist du, o Herr, Du allein erneuerst das Werk deiner Hände von Tag zu Tag. Gepriesen bist du, o Herr, denn du hast das Licht und die Finsternis geschaffen und beide voneinander geschieden! Gepriesen bist du, o Herr, denn Du wirkest und wandelst alles. Du vertreibst den Schatten des Todes und wendest den Tag zum Dunkel der Nacht! Gepriesen bist du, o Herr, Du hast den Menschen nach Deinem Bild und Gleichnis erschaffen, den Tag für die Werke des Lichts und die Nacht zur Erquickung der Natur des Menschen…!“

Das ist unsere Botschaft. Das ist unsere Überzeugung. Das ist unsere Mahnung an alle: Lasset uns geziemend stehen, lasst uns stehen mit Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung!

Die Gnade und das unermessliche Erbarmen unseres Herrn, des Schöpfers der ganzen - sichtbaren und der unsichtbaren - Schöpfung, seien mit euch allen und mit der ganzen Welt, jetzt und in alle Ewigkeit. Amen. 


1. September 2015
+ Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel,
  Euer aller inständiger Fürbitter bei Gott